WELCHER DARFS DENN SEIN? //

EXPERIMENT

JUNGHASENSPÜRHUND

Zuerst stellte sich die Frage, welcher Hund sich am besten für diese anspruchsvolle Aufgabe eignet? Arbeitsfreudig und leicht zu motivieren sollte er sein, und zudem eine gute Nase haben. Gleichzeitig war mir wichtig, dass er sich vor und nach der Arbeit ruhig verhält und abschalten kann. Die Suche mit dem Hund war schliesslich nur eine Methode, um Junghasen zu finden. Währenddem wir mit anderen Tätigkeiten beschäftigt waren, sollte er uns auf keinen Fall stören oder unsere Aufmerksamkeit fordern. Auch musste er gesellschaftstauglich sein, da ich ausserhalb der Feldarbeit mit dem öffentlichen Verkehr nach Zürich pendle und dabei einen ruhigen und wesenssicheren Begleiter benötige.
Zuerst     besuchten     wir     verschiedene
Für meine Doktorarbeit (Biologie) entschloss ich mich, an einem Projekt zur Förderung des Feldhasen in der Schweiz mitzuarbeiten. Meine Arbeit dreht sich um die Sterblichkeit bei Junghasen mit dem Ziel, junghasenfreundliche Strukturen in der Agrarlandschaft ausfindig zu machen.
 
Um diesem Ziel gerecht zu werden, mussten wir Junghasen finden und danach deren Schicksal verfolgen - ging es doch darum herauszufinden, in welchen Strukturen Junghasen am längsten überleben.
 
Es war also bereits zu Beginn klar, dass meine Doktorarbeit nur mit einer stattlichen Anzahl gefundener und besenderter Junghasen erfolgreich sein kann. Doch genau da lag der Knackpunkt. Junghasen sind bei der Geburt nur gerade faustgross und zudem perfekt getarnt. Wie finde ich nun möglichst viele der „unsichtbaren“ Junghasen?
HOPP HASE UND DAS JUNGHASENPROJEKT //
Für mich war selbstverständlich, dass ich alle Möglichkeiten ausschöpfen wollte. Warum also nicht einen Hund für die Suche nach Junghasen ausbilden? Ich erkundigte mich in der Folge in Hündeler-Kreisen - mit ernüchterndem Resultat. Alle rieten mir davon ab. Es sei wegen des fehlenden Geruchs der Junghasen gar nicht möglich. Und falls der Hund dann tatsächlich einen Junghasen finden sollte, wie würde man ihm entgegen seines Triebes beibringen, dem Häschen nichts anzutun?
 
Es schien also ein schwieriges Unterfangen zu werden und trotzdem wollte ich es nicht unversucht lassen. In Martin Biedermann (35 Jahre Diensthundeführer bei der Kantonspolizei Bern, Übungsleiter, und von 1993 bis 2008 verantwortlich für den Fachbereich Diensthunde) habe ich dann glücklicherweise eine überaus kompetente Unterstützung gefunden. Das Abenteuer Hund konnte beginnen.
 
Tierheime in der ganzen Schweiz, mussten jedoch relativ bald feststellen, dass die Vorgschichten der allermeisten Tierheimhunde für diese Aufgabe zu belastend ist und dass es sinnvoller ist, einen unvoreingenommenen Welpen auf Junghasen zu konditionieren. Irgendwann wurde ich auf den Toller aufmerksam und je mehr ich mich über die Rasse informierte, desto sicherer war ich mir: so einer oder keiner!
 
Projektbedingt gab es leider nur ein sehr kleines Zeitfenster, in welchem ich einen Welpen zu mir nehmen konnte. Zu meinem grossen Glück fand ich eine Züchterin, die genau in diesem Zeitraum einen Wurf plante und mir einen Welpen anvertraute.
 
EIN GLÜCKSGRIFF //
Nach einer Woche Schonfrist, war der kleine Django bereits täglich mit uns auf dem Feld - und zwar in einer eigens für ihn konstruierten Hundebox im HOPP HASE Pick-up. Junghasensuche ist Nachtarbeit - so wurde er zu einem richtigen Nachthund und liebte es, bis tief in der Nacht mit uns unterwegs zu sein. Die ersten Monate nutzte ich, um den Grundgehorsam aufzubauen und einen umweltsicheren Hund aus Django zu machen.
 
Mit ca. sieben Monaten war es dann soweit, Django war alt genug, um mit der Ausbildung beginnen zu können. Zuerst musste   das  Anzeigen  geformt   werden.
 
Danach mussten wir versuchen, den Junghasenduft auf das Hundespielzeug zu bekommen, damit er den Geruch positiv verknüpfen konnte. Hier lag die grösste Schwierigkeit in der ganzen Ausbildung. Erstens riechen die Hasenzwerge kaum, und zweitens lässt sich der Geruch eines Junghasen nicht wirklich von einem Junghasen entkoppeln. Wir haben alles Mögliche versucht und konnten nur hoffen, dass der Hund die Verknüpfung richtig macht.
 
Django lernte rasend schnell und war stets mit vollem Einsatz dabei. Diese Arbeitsfreude und Intelligenz war für das Gelingen des „Experiments“ unabdingbar. Oder in den Worten von Martin, war der Hund schlicht ein „Glücksgriff“, denn längst bringen nicht alle Hunde solche Anlagen mit.
 
Ein weiterer wichtiger Ausbildungsschritt war die Impulskontrolle. Der Hund durfte auf keinen Fall einem davon hüpfenden Hasen, ob gross oder klein, hinterher jagen oder auch nur einen Satz hinterher machen, sondern musste starr in seiner Anzeige-Position verharren. Da war tägliches   Training   angesagt,  damit   ich
 
sicher sein konnte, den Hund in jeder Situation unter Kontrolle zu haben. Es war eine lange und intensive Trainingszeit, aber immer extrem spannend und lehrreich.
 
 

Mehr Infos über das Projekt HOPP HASE zur Förderung des Feldhasen in der Schweiz hier

Mehr Infos über das Junghasenprojekt hier

Zu Beginn der zweiten Saison des Junghasenprojekts war Django dann so weit, dass wir mit lebenden Junghasen trainieren konnten. Sobald wir also mittels Wärmebildkamera einen Junghasen aufgespürt hatten, wurde der Hund in die Suche geschickt und konnte so unter kontrollierten Bedingungen (wir wussten stets, wo sich der Junghasen befindet) trainieren.
 
Uns wurde sofort klar, dass Junghasen in der Tat kaum Geruch abgeben, denn es passierte durchaus, dass der Hund nur eine Nasenlänge neben dem Junghasen vorbei ging und keine Witterung aufnahm. Sobald er aber den Hasen in die Nase bekam, zeigte er sofort an. Ein wichtiger Schritt für uns, so konnten wir sicher sein, dass er zumindest wusste, was seine Aufgabe ist.
 
Nun gingen wir also regelmässig, nachdem wir einen Junghasen mittels Wärmebildkamera gefunden hatten, nochmals zum Fundort und liessen Django das Gebiet absuchen. So passierte es einige Male, dass wir im Zuge dieser Suche zusätzlich zum bereits bekannten Hasen eines oder mehrere Geschwister aufspüren konnten. Ein grosser Gewinn, denn ohne Hund hätten wir gar keinen Grund gehabt, nochmals ins Fundgebiet zurückzugehen.
 
Nachdem Django einige "bekannte" Junghasen sicher angezeigt hatte und trotz riesiger Versuchung tatsächlich immer brav in seiner Anzeige-Position verharrte, konnten wir beginnen, Django eigenständig suchen zu lassen. Es war jeweils eine Freude mit anzusehen, mit welcher Begeisterung und   Ausdauer   er   sich  in  die  Suche  stürzte.  Er  entwickelte
schnell einen sehr selbstständigen Suchstil, war jedoch immer problemlos lenkbar, wenn ich merkte, dass er einen Teil des Suchengebiets ausgelassen hatte. Es war ein wunderbares Gefühl, so eng mit einem Hund zusammenzuarbeiten.
 
Da ich mich völlig auf ihn verlassen musste (ein Mensch sieht die Junghasen von blossem Auge nicht und wir suchten mit Django nur jene Stellen ab, welche für die Wärmebildkamera ungeeignet sind), war diese Zusammenarbeit für mich jedoch auch nicht immer ganz einfach. Da der Erfolg sehr lange auf sich warten liess, kamen schnell Zweifel ob dem Experiment auf: wusste Django wirklich, was er zu tun hatte? Riechen die Junghasen genug, damit sie von ihm überhaupt entdeckt werden können? Hatten die Leute recht, welche mir davon abgeraten hatten? Machte mir am Ende meine fehlende kynologische Erfahrung einen Strich durch die Rechnung? Wäre es doch besser, die Zeit mit einer anderen Suchmethode zu verbringen - oder anders gesagt, ist die Suche mit dem Hund bloss Zeitverschwendung? Der Druck war gross, denn wie zu Beginn erwähnt, war ich auf eine möglichst grosse Anzahl Junghasen absolut angewiesen...
 
Die Erleichterung war dann natürlich enorm gross, als Django endlich seinen ersten Junghasen fand! :) Es hatte sich also doch gelohnt, das Vertrauen in den eigenen Hund nicht zu verlieren und ich war irrsinnig stolz auf die Leistung meiner Spürnase!
 
Danke Django, für Deinen unermüdlichen Einsatz und Deine Passion! Es war unglaublich schön, Dich zu später Stunde stets an meiner Seite zu wissen!
Bei jeder Suche mit Django versteckten wir einen "Ersatz" für einen lebenden Junghasen, damit er jedesmal Erfolg hatte und seine Motivation nicht verliert. Hier hat er eine vorher ausgelegte Junghasen-Blume gefunden (Blume=Schwanz).